Kein Trainingsplan, keine Sportuhr, keine spezielle Ernährung: Die «On»- und «Swissalpine»-Botschafterin Lena Steuri hört nur auf ihren Körper – und rennt von Erfolg zu Erfolg. Eine Fotoreportage auf der neuen Königsstrecke K68.
Sie verwandeln Athleten in Helden – und machen Helden wieder zu einfachen Menschen. Glück und Pech liegen bei diesen Touren nah beieinander. Mit berüchtigten Anstiegen im Hochgebirge bilden sie oftmals die Kulisse für dramatische Wendungen oder überraschende Comebacks. Königsetappen. Bestens bekannt dafür ist im Radsport die Tour-de-FranceStrecke nach L’Alpe d’Huez. Auch der Laufevent Swissalpine Davos hat dieses Jahr mit dem K68 eine neue Königsstrecke. Sie führt über drei aussichtsreiche Alpenpässe und durch sechs Täler. Laufprofis haben dabei zwar meist nur einen Blick auf die Sportuhr übrig. Aber es gibt auch Ausnahmen.
Vielleicht ist es gerade ihre Leichtigkeit, die Lena Steuri scheinbar schwerelos über die Trails laufen lässt. Denn sie verzichtet bewusst auf strikte Trainingspläne und eine Sportuhr. Oder ist es ihr leichtes Schuhwerk des Schweizer Herstellers «On»? Ein Laufschuh mit einer speziellen Sohlenkonstruktion, der spätestens seit dem Auftritt von Hollywood-Megastar Dwayne Johnson am «Super Bowl» weltweit bekannt ist. Wie auch immer, eines ist gewiss: Lena braucht keine Flügel, um zu fliegen. Wir treffen sie frühmorgens auf dem Weg hinauf zum Passübergang der Fanezfurgga auf 2580 Meter über Meer. Vereinzelte Nebelschwaden verleihen der Landschaft eine ganz spezielle Atmosphäre. Schritt für Schritt laufen wir hinauf – und kommen oben an, rechtzeitig zum Sonnenaufgang. Fernab der Zivilisation, ein Gefühl des grossen Abenteuers. Flankiert von den beiden Dreitausendern «Chlein» und «Hoch Ducan’» liegt vor uns das Ducantal mit seiner ganzen Pracht zu Füssen. Ein Moment für die Ewigkeit. Es sind genau solche Augenblicke, die Lena immer wieder zum Laufen motivieren.
«Der Swissalpine ist einer der spektakulärsten Läufe, an denen ich in meiner noch jungen Laufkarriere teilgenommen habe. Die Täler und die Aussichten von den Pässen auf die Bündner Bergwelt versetzen mich jedes Jahr erneut ins Staunen», sagt die 33-Jährige. Zu ihrer Trailrunning-Leidenschaft kam Lena übrigens auf Umwegen: Im Dezember 2015 riss sie sich beim Skifahren das vordere Kreuzband. Nach der Knieoperation folgte die Rehabilitation
Doch Not machte erfinderisch: «Ich habe meine Gehstöcke mit Spikes ausgerüstet und begann, zügig durch den Schnee hinauf zur Schatzalp zu gehen. Dabei bemerkte ich, wie viel Spass mir das Berglaufen macht», erklärt Lena. Sie trainierte in der Folge regelmässig und nahm ab 2017 an Wettkämpfen teil. Mit grossem Erfolg: Sie gewann unter anderem den Triathlon Davos und wurde zweimal Zweite am Swissalpine Davos. Aber zurück zur Tour.
Fernab der Zivilisation, ein Gefühl des grossen Abenteuers.
Zügigen Schrittes steigen wir ab in das geologisch interessante Ducantal mit seinen speziellen Farben und Formen. Kurze Pause, nochmals die Schuhe festschnüren und weiter. Immer wieder lassen wir den Blick schweifen. Diese Landschaft erinnert ein bisschen an eine Mondlandschaft, die uns in Bann zieht. Weiter unten bei der Brücke auf 2044 M. ü. M. wechseln wir auf die andere Seite des Ducanbachs. Schon bald stiebt das Wasser über die Steilstufe als imposanter Wasserfall ins Tal. Der Trail führt hinab durch einen Arven- und Lärchenwäldchen bis wir den Talboden und somit den hintersten Teil des Sertigtals erreichen. Zeit für ein paar Dehnungsübungen beim Wasserfall, der schon seit jeher als Kraftort gilt. Ein idealer Ort, um sich neue Ziele zu setzen. «Ich freue mich auf die neue Laufsaison – und hoffentlich auf einen Podestplatz beim Swissalpine Davos. Ich weiss zwar noch nicht genau, in welcher Disziplin ich starten werde», verrät die Bergspezialistin, wie sich Lena selbst beschreibt. Falls sie sich für den neuen K68 entscheidet, wird die Königsstrecke bestimmt ihrem Ruf gerecht, sorgt für Überraschungen – und entscheidet nicht zuletzt über Sieg oder Niederlage.
Laufen macht glücklich.
© 2026 Franz Thomas Balmer